DAS GLÜCK DES EIGENEN FANGS.

Eine Geschichte über schwere Arbeit, kurze Wege und das Glück, den eigenen Fisch zu fangen.

Wir lieben besondere Begegnungen mit besonderen Menschen. Wir lieben auch besondere Geschichten. Und wir lieben es, sie zu teilen. 

Die Teichwirte in der Lausitz haben uns so sehr beeindruckt, dass wir sie kurzerhand besucht haben. Wir wollten dabei sein, wenn sie ihre Teiche im Herbst abfischen und einen Tag selbst in die Rolle eines Teichwirts schlüpfen. 

Vor über 800 Jahren entstand in der Lausitz die Tradition des Teichfischens und mit ihr Lebensraum und Artenvielfalt, die ihresgleichen suchen.

Das Handwerk des Teichwirts wird seitdem von Generation zu Generation weitergegeben. In eigens angelegten Teichen mit verschiedenen Tiefen werden vor allem Karpfen und Hechte gezüchtet. Drei Jahre dauert es, bis sie schlachtreif sind. Für jede Jahreszeit gibt es Teiche: Frühjahrs-, Sommer-, Herbst- und Winterteiche. In einer Art Schleusensystem werden diese mit Wasser gefüllt und für den Winter entleert. Für das Abfischen eines Teiches benötigen die Lausitzfischer 2 bis 3 Tage. Im Friesennerz und ausgerüstet mit großen Schleppnetzen und Keschern, beginnen sie ihren Fischzug im Morgengrauen. Bis Sonnenuntergang arbeiten sie bei Wind und Wetter.

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Teichwirt zu sein ist eine der härtesten Arbeiten im Fischfangbetrieb. Und sie wird nicht bezahlt.

Warum tut man das?

Es geht um den Erhalt von Lebensraum und Tradition, um die Weitergabe von Erfahrungen, um Zusammenhalt zwischen Generationen und um ein Gefühl, dass wir schon lange nicht mehr kennen: Die Befriedigung, sich selbst mit Nahrung versorgen zu können. Nach einem harten Arbeitstag seinen eigenen gezüchteten und gefangenen Fisch essen zu können, ist mit nichts vergleichbar. 

Kurze Wege in der Nahrungsmittelversorgung sind uns ohnehin schon seit Jahrzehnten abhanden gekommen. Die Vorstellung, sich von selbst angebautem Gemüse oder selbst, eigens für den Verzehr gezüchteten Tieren, ernähren zu können, ist vor allem eine romantische.

Was wir an diesem kalten Oktobertag mit den Teichfischern erleben, ist alles andere als romantisch. Mit dicken Watthosen stehen wir den ganzen Tag bei Regen im Schlamm und packen mit an. Wir schleppen Netze, keschern Fische und bringen sie in ihre Überwinterungsteiche. Wir sind zu fünfzehnt und arbeiten Hand in Hand. Die Tage im Herbst sind kurz, das verbleibende Tageslicht muss ausgenutzt werden. 

Und wenn die Entleerung der Teiche einmal begonnen hat, gibt es kein zurück mehr, denn die Fische schwimmen immer dem Wasser nach. 

Völlig erledigt essen wir am Abend gemeinsam frisch geräucherten Karpfen, in einem mit einem Werkstattofen beheizten Bauwagen, trinken ein Bier und dürfen den Geschichten von Früher zuhören. Geschichten, die uns berühren und die uns zeigen, was Tradition für Menschen bedeuten kann. Zusammengehörigkeitsgefühl, sich selbst bei Wind und Wetter zu spüren und das Glück, des eigenen Fangs.

Wir erleben gern solche Geschichten. Und wir teilen sie gern.

Eine story experience by EYSENBERG.